Interview Blickpunkt: Anschlussvertrag zur Auslagerung der kommunalpolizeilichen Aufgaben

«Ein Polizeikorps mit 15 Mitgliedern ist einfach flexibler»

 

Am 25. September entscheidet Uetikon über die Zukunft seiner Kommunalpolizei. Der Gemeinderat beantragt einen Zusammenschluss mit dem Polizeiverbund Meilen. In seiner Funktion als Präsident der Ortspartei FDP erklärt Gemeinderat Hubert Beerli, weshalb die Vorlage aus seiner Sicht sinnvoll ist.

 

Jérôme Stern

Blickpunkt Uetikon: Hubert Beerli, Bei der Diskussion um die Vorlage vom 25. September monieren die Kritiker, dass durch den Anschluss an Meilen ein Teil der Sicherheit verloren gehe. 

Hubert Beerli: Ich glaube, wir sind weder heute noch morgen ein unsicherer Ort – und zwar bei jeder Variante. Verglichen mit Gemeinden mit anderem Sozialindex sind wir auf gutem Niveau. Ich denke, dass wird mit beiden Lösungen auch so bleiben.

 

Eine Polizeistreife aus Meilen kann wahrscheinlich nicht so schnell vor Ort sein kann wie aus dem Polizeiposten in Uetikon.

Wenn wir jetzt eine Patrouille hätten, die 24 Stunden Dienst täte, dann wäre das wohl so. Aber das ist jenseits von Gut und Böse, sowas gibt es nicht. Auch mit einer Zwei-Mann-Besatzung kann man nur beschränkte Zeiträume abdecken. Das Argument mit der Geschwindigkeit trifft meiner Meinung also nicht zu.

 

Und was ist mit dem Argument, der direkte Draht zur Bevölkerung gehe durch die Verbundlösung verloren?

Klar, wenn die Polizisten Uetiker Gemeindeangestellte sind, kann der Gemeinderat beispielsweise sagen, schaut bitte mal auf dies oder das. Und die zwei Polizisten kennen das Dorf und seine Lokalitäten natürlich besser. Vielleicht kennen sie auch gewisse Individuen und können sich denen besser annehmen. Das hat aber auch negative Seiten: Wenn ein Dorfpolizist einer Person zu Recht eine Busse ausspricht, gibt das eventuell ein Problem. Der akzeptiert das womöglich nicht und macht einen grossen Rummel, obwohl er ganz klar im Unrecht ist. So kann die persönliche Beziehung auch negativ mitspielen.

 

Unbestritten ist, dass Uetikon wächst und deshalb mehr Polizisten braucht. Könnte man die neuen Herausforderungen nicht auch mit einer Kommunalpolizei bewältigen?

Ein Zweimann-Betrieb bietet einfach keine Flexibilität. Nur schon, wenn man an die Dienstplanung und Ferien denkt: Diese Lösung deckt einfach zu wenig Zeit ab. Und in der Realität ist es so, dass wir heute keine vollständige Polizei haben, weil Krankheit und Ausfälle mitspielen. Ein Polizeikorps von 15 Leuten ist einfach wesentlich flexibler. Man kann gewisse Sachen besser abdecken. Das sind auch die Argumente des Gemeinderats: Dass Uetikon mit der Verbundlösung hinsichtlich Organisationsstruktur, Flexibilität und Einsatzfähigkeit viel besser aufgestellt ist für zukünftige Herausforderungen.

Die Lobby für Uetikon ist der Meinung, dass die Gemeindepolizei auch einen grossen Beitrag zu Verhinderung von Vandalismus und Littering leisten kann. Wie sieht das mit der Verbundlösung aus?

Was in Herrliberg bis Männedorf funktioniert, sollte auch in Uetikon funktionieren. Ich denke unsere Polizisten sind nicht für die Littering-Prävention angestellt.

 

Für die Gemeindepolizei wurden vor nicht allzu langer Zeit erhebliche Investitionen getätigt. Zum Beispiel ein neues Streifenfahrzeug, einen Verhörraum und Waffen. Was geschieht damit?

Ich denke, die Räume der Polizei sind auf lange Sicht besser einsetzbar. Ganz bestimmt kann man diese einem anderen Einsatzzweck zuführen. In den Gesprächen mit Meilen wurde festgelegt, dass wir die Ausrüstung verkaufen können. Je nachdem was für Preise wir erzielen, kann der Käufer Meilen oder auch Dritte sein.

 

Gab es bei den Verhandlungen mit Meilen auch eine Vorgabe innert welchem Zeitraum eine Polizeipatrouille in Uetikon vor Ort sein könne?

Als Parteipräsident war ich nicht bei den Gesprächen und kann nichts dazu sagen. Aber egal, ob sich eine Patrouille gerade in Herrliberg oder Männedorf befindet, die Reaktionszeiten sind sowieso im grünen Bereich. Es ist wichtiger, dass überhaupt ein Polizeiteam in der Gegend unterwegs ist. Meines Wissens sind die Patrouillen auf ihrer Tour in einem System angemeldet. Dabei ist auch die Kantonspolizei involviert. Das Fahrzeug, dass am nächsten ist, wird dann zum Einsatzort beordert.